Rückblick Winter 16/17

Fabian Dammermann berichtet: Das Märchen geht weiter!

04.02.2017, Neubrandenburg. Hier beginnt im Jahnsportforum nach langer Anreise an einem Samstagmittag meine Hallensaison 2017. Die Erwartungen nach dem Winter- und Sommermärchen des Vorjahres, nach den fast unfassbaren Erfolgen von 2016 (Deutscher Hallenmeister, Staffelfünfter der U20-WM, Berufung in den B-Kader) sind groß. Ebenso aber auch die Ängste und die Nervosität. Kann ich die Leistungen aus dem Vorjahr bestätigen? Oder war alles nur eine Eintagsfliege? Der Wechsel zu den Männern ist ebenfalls eine neue Erfahrung. Die Konkurrenz wird größer und vor allem erfahrener. Aber ich habe in den letzten zwei Jahren Blut geleckt und will zeigen, dass ich zu Recht hier stehe.

Die Ausgangssituation vor diesem Rennen ist nicht einfach. Eine Erkältung hat mein Training zwei Wochen so gut wie auf Eis gelegt. Und so ist Neubrandenburg meine erste und zugleich letzte Chance, mich für die Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig zu qualifizieren.

Da stehe ich nun an der Startlinie des vermeintlich schnellsten Laufs. Vor mir Marc Koch und Alexander Juretzko, zwei Langsprinter mit Nationalmannschafts- und reichlich Hallenerfahrung. Ich muss, ich will  unbedingt die DM-Norm, 49,00 Sekunden, unterbieten. 48,77 Sekunden später die Erleichterung. Auch wenn das Rennen nicht perfekt war, ich eigentlich nur hinterhergelaufen bin. Ich habe es geschafft. Ich darf bei der DM an den Start gehen. Und das gleich in meinem ersten Männerjahr.

 

Eine Woche später führt uns unser Weg nach Luxemburg, ins Centre National Sportif et Culturel oder - kurz - ins Sportzentrum d'Coque. Eine für uns märchenhafte Sportanlage- Generalprobe für die Deutschen Meisterschaften. Und was für eine Generalprobe. Das erste Mal in der Halle auf sechs Rundbahnen, dazu noch gegen einen Hallenvizeweltmeister (mit der britischen Staffel). Ich werde Zweiter mit persönlicher Bestzeit von 48,03 sec. So stehe ich eine Woche vor den Deutschen Meisterschaften plötzlich auf Rang drei der Deutschen Bestenliste. Und reise als Medaillenhoffnung nach Leipzig.

Freitagmittag geht es endlich los. Mein Trainer Anton Siemer und ich steigen in den Zug Richtung Leipzig. Es soll unsere letzte gemeinsame Reise für diese Hallensaison werden.Und wir haben hohe Erwartungen. Schließlich sind wir (inklusive Neubrandenburg und Luxemburg) über 2000 km gereist. Und das nur für das morgige Rennen. Nach langer Fahrt stehen wir endlich in der Arena Leipzig, wo morgen über 3000 Zuschauer meinen Lauf verfolgen werden. Ein ganz besonderes Gefühl, hatte ich doch seit einem Jahr den Wunsch, hier vor dieser Kulisse bei den Männern laufen zu dürfen. Und jetzt ist es in nicht einmal mehr 24 Stunden soweit.

Die Nacht vor meinem Vorlauf ist kurz. Vielleicht zu kurz?. Dem Hotelzimmer oder der Aufregung geschuldet. Nach einem recht trockenen Frühstück geht es in die Halle. Bei unserem Eintreffen sind noch keine Zuschauer vor Ort. Auch als es für mich in den Laufschlauch zum Aufwärmen geht, sind die Zuschauerränge noch ziemlich leer. Sollten doch nur 300 Zuschauer kommen?

60 Minuten vor meinem Lauf die Laufeinteilung. Ich habe die Bahn sechs, die Außenbahn. Innen von mir der Deutsche Jugendmeister aus dem Vorjahr. Für mich ein bekanntes Gesicht, gemeinsam sind wir bei der U20-Weltmeisterschaft Fünfter mit der deutschen 4 x 400 m-Staffel geworden.

Fabian Dammermann

 

Bahn sechs - keine gute Bahn, zumal ich die ersten Meter eher (zu) langsam angehe und mich nun nicht an den anderen orientieren kann. Bei dem schnellen Anfangstempo in der Halle alles andere als einfach. Wenig später geht es schon in den Callroom. Dort erhalten wir neue Startnummern, diesmal  mit einem Chip (Da merkt man, dass man nicht mehr bei den „Kleinen“ ist). Nach einer gefühlten Ewigkeit geht es – endlich - in den Innenraum. Bevor ich die Zuschauer sehe, höre ich sie. Anders als vor dem Aufwärmen ist die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein wirklich beeindruckendes Bild.

Nach kurzem Warten geht es auf die Rundbahn. Startblock einstellen. Probestart. Alles wie immer, nur halt vor einer gigantischen Kulisse. Bei der Vorstellung werde ich als einer von Zweien vorgestellt, darf in die Kamera winken und bin auf der großen Videowand zu sehen. Etwas, das ich erst im Nachhinein richtig realisiere.

Auf die Plätze – fertig – PENG. Schon geht es los. Wie immer die ersten 100m verschlafen, Marvin schon neben mir. Ich biege als letzter auf die zweite Gerade ein. Was tun? Gas geben! Und tatsächlich, es klappt. Ich kann mich bis zur Kurve bis auf den dritten Platz nach vorne kämpfen. In der zweiten Runde fehlt die Kraft, um noch am Zweitplatzierten vorbei zu ziehen. Kurz nach dem Zieleinlauf schon die Gewissheit: Es hat nicht gereicht. Aber wie knapp. Zwei und vier Hundertstelsekunden fehlen zum Finaleinzug. Die Chance auf eine Medaille - nach 48,16 Sekunden trotz guter Zeit geplatzt. Aber lange Zeit zum Ärgern bleibt nicht, denn in der Mixed-Zone wartet der Reporter der NOZ. Extra mitgereist bis nach Leipzig. Unglaublich! Vor einem Jahr noch undenkbar.

Fabian Dammermann

Fazit meiner Hallensaison? Unerwartet gut, außer: Es fehlte das kleine Quäntchen Glück. Aber nichts desto trotz war es ein super Einstieg in den Männerbereich. Neue Bestleistung in der Halle. Siebter bei den Deutschen Meisterschaften. Der Männer wohlgemerkt. Und viele neue Erfahrungen. So kann es im Sommer weitergehen. Die Motivation fürs Training ist da!

Tags: Rückblick Fabian Dammermann DM Halle Leipzig

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