Platz neun in Deutschland

Finn Stuckenberg: Meine Deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm

3. August 2017 – endlich ist es soweit. Es geht zu den Deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm. Ein Jahr haben wir dafür trainiert, ein Jahr darauf hingearbeitet. Jetzt geht‘s los.

Aber vor den Wettkampf haben die Götter….die Anfahrt gesetzt.  Sieben Stunden. Von Autobahn zu Autobahn, von Stau zu Stau. Im Bulli – Ablenkung. Die DM – kein Thema. Lieber Musik hören, Spiele spielen, unterhalten, blödeln, Quatsch machen.

In Ulm ein kurzer Gang ins Stadion. Hier gilt es ab morgen. Der Puls steigt, das Adrenalin auch. Im Hotel wartet man schon auf uns – die LG ist hier Stammgast bei Titelkämpfen. Kurz noch etwas essen - und dann ins Bett, um am nächsten Tag fit für den Wettkampf zu sein.

7.30 Uhr – der Wecker klingelt. Na ja, den Wecker ersetzt mein Trainer. Aufstehen, in die Sportkleidung springen und einlaufen. Alle sind pünktlich – ein guter Start in den Tag. Nach dem Frühstück geht’s direkt ins Stadion.

Mein Wettkampf ist an diesem Tag der erste für einen LG-Athleten. 12.15 Uhr: 400 m Vorlauf der U18. Vor dem Wettkampf der gewohnte Ablauf - Einlaufen, Koordination, Steigerungen. Kurzer Austausch mit dem Trainer: Welcher Lauf? Welche Bahn? Letzte Hinweise – obwohl, eigentlich ist alles klar. Es geht wohl mehr ums Beruhigen.

Finn Stuckenberg in Ulm

 

Dann werden die 400 m Läufer in den Callroom gerufen. Gleich geht es los. Na ja, gleich? Schuhkontrolle. Elektronische Geräte? (müssen sonst abgegeben werden). Werbefläche auf der Sportkleidung? Und dann Warten. Fast eine halbe Stunde im Callroom. Die letzten Momente, bevor man in einem Stadion, gefühlt voller Zuschauer, in den Startblock steigt und einfach alles aus sich herausholen will und muss. Und kann?

Die Nervosität steigt immer weiter an. Ich werde aufgerufen. Aus dem Callroom ins Stadion geführt. Beine – spüre ich vor Nervosität nicht mehr. Bahn fünf – drei Gegner vor mir – und vier im Rücken. Der Sieger ist automatisch im A-Finale.

Dann der Startschuss. Guter Start, die zweiten 100 m fühlen sich gut an. Die Kurve macht Spaß, bis 300 m ist alles gut. Zweiter Platz - das A-Finale ist möglich. Doch dann die Zielgerade, die Beine werden schwer, zwei ziehen an mir vorbei. Ich will gegenhalten. Nein, es klappt nicht. Rang vier in diesem Lauf, Gesamtplatz zehn– B-Finale.

Im Ziel der Journalist unserer Osnabrücker Tageszeitung. Haltung bewahren. Wie ich mich fühle? Unschwer am Gesicht zu erkennen. Habe ich mich einfach zu nervös machen lassen? Mir zu viele Gedanken gemacht? Sicher ist: Das A-Finale habe ich auf der Zielgeraden liegen gelassen. Es fehlte am Ende nicht viel, genau 15 Hundertstel. Doch ich bin unter meinen, unter unseren Erwartungen geblieben. Die Gefühle? Unzufrieden, frustriert und traurig beschreiben es wohl am ehesten. Bei mir, aber auch beim Trainer. Ja, gerade hier, gerade jetzt sind wir ein Team.

Das merke ich deutlich beim folgenden Gespräch auf dem Nebenplatz, abseits des Trubels. Wir haben beide mit einem anderen Ergebnis gerechnet. Ein Jahr für diesen Saisonhöhepunkt trainiert und dann nicht zeigen können, was man eigentlich drauf hat. Der Plan war einfach: Das erste Mal unter 50 sec, Einzug ins A-Finale, dort ein geiles Rennen abliefern. Einfach glücklich über die Ziellinie laufen und erleichtert sein. Wie wissen beide, dass mehr möglich war. Es wäre so einfach gewesen. Es ist nur einer unter der begehrten 50 sec-Marke geblieben. Trotzdem konnte ich die Chance nicht nutzen. Frustrierend!

Mein Trainer findet die richtigen Worte, holt mich aus meinem ersten Stimmungstief ab. Baut mich wieder auf. Keine Vorwürfe, der Blick geht nach vorn, zum nächsten Tag. Das Gespräch hilft mir sehr - die Motivation für den nächsten Tag, fürs B-Finale, sie kommt und wächst. Jetzt will ich zumindest dort der Erste sein

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Kopf hoch und Konzentration auf den nächsten Tag, das B-Finale. Das Ziel: Den Lauf gewinnen, damit neuntbester Deutscher werden. Und vor allem: Auf der Zielgeraden kämpfen, bis zum letzten Meter.

Finn Stuckenberg auf der Bahn in Ulm

 

Kurz nach 17 Uhr ist es soweit, Ich gehe mit Abstand als letzter in den Startblock. Das gibt mir ein Gefühl der Sicherheit. Hilft, locker zu bleiben. Ich will schnell an den Starter vor mir heranlaufen. Klappt. In der zweiten Kurve nochmal Druck machen. Ja, ich bin vorne. Ein geiles Gefühl, als erster auf die Zielgerade zu laufen und vom Stadionsprecher angesagt zu werden. Bei etwa 290 m nehme ich innen einen Schatten wahr. Jetzt gilt es. Auf der Zielgeraden alles geben, bis zum letzten Meter kämpfen. Es gelingt! Ich kann das Duell und damit das Rennen für mich entscheiden.

Bei 50,39 sec bleibt die Uhr stehen. Saisonbestleistung. Zwar nicht unter 50 Sekunden Zeit, aber Platz neun in Deutschland. Nach dem enttäuschenden Vortag ein guter Lauf, der sich sehen lassen kann. Da ist mein Trainer – strahlt, gratuliert, freut sich mit mir. Geteilte Freude ist doppelte Freude – stimmt!

Tags: Ulm Finn Stuckenberg 400m

Ein Beitrag von:

Finn Stuckenberg

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