Hinter dem Zielstrich – über „Freund und Feind“ im Erfolg

Ein Erfahrungsbericht von Fabian Dammermann

Dortmund. -  19.02.2018, kurz nach 15 Uhr. Deutsche Meisterschaften der Männer und Frauen. 400 m . Wie vor zwei Jahren, als ich hier Deutscher Jugend-Hallenmeister wurde, gibt es ein Herzschlagfinale. Die zwei Runden liegen hinter mir, mein Auftritt bei den Deutschen Meisterschaften aber noch lange nicht. 

Mein erster Gedanke: Bin ich Dritter? Oder doch nur Vierter?. Und wie ist die Zeit? Viel Zeit zum Nachdenken und Überlegen ist nicht. Die Freude über mein erstes DM-Finale bei den Männern ist riesig. Es werden Hände geschüttelt, Glückwünsche verteilt und der Moment genossen. Mit jedem Gesprächsfetzen wird die Gewissheit größer: Ich habe es geschafft, ich bin Dritter geworden. Ich habe die Bronzemedaille! Endgültige Gewissheit überbringt mir dann einer, von dem ich es nie erwartet hätte. Und der, Entschuldigung, nie mein Freund werden wird. Ein unscheinbarer Mann, der mich umgehend für das tolle Ergebnis „belohnt“. Mit meinem nächsten Termin. „Herzlichen Glückwunsch zu Bronze. Und hier, eine Unterschrift für die Dopingkontrolle bitte.“ Der Dopingkontrolleur.



Bilder machen, Gratulationen entgegennehmen. Da; endlich. Mein Trainer Anton Siemer kommt auf mich zu. Wir fallen uns um den Hals. Glücklich, erleichtert, stolz. Verstehen uns wortlos. Die letzte halbe Stunde vor dem Start, meine Zweifel – sie bleiben unter uns. Sicher ist: Nur gemeinsam haben wir sie durchgestanden, habe ich den Weg auf die Bahn, ins Rennen gefunden. Dann gratuliert der Bundestrainer. Ob er mir das zugetraut hat?

Die Verantwortliche für die Siegerehrungen ruft. Auf geht es zum Treffpunkt für die Zeremonie. Der erste Moment, ein wenig runterzukommen. Gedanken schießen durch den Kopf. Zwei Jahre hartes Training liegen hinter mir. Viele gemeinsame Stunden mit Trainer, mit der Trainingsgruppe. Tolle Unterstützung durch den Verein, das ganze Umfeld. Physiotherapeuten, Sportarzt, unseren Ausrüstungspartner. Nun gibt es also gleich und endlich die Belohnung für mich und uns, unseren ganzen Verein.



Der nächste Glückwunsch – die Präsidentin unseres Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes. Sie wird die Ehrung vornehmen. Schnell noch die Startnummer mit dem Schriftzug  „Bronze“ auf die Jacke kleben. Kurz die Haare richten, schließlich schauen gleich 4.000 Menschen in der ausverkauften Helmut- Körnig- Halle zu. Und Millionen – naja, nicht ganz – im Livestream. Endlich geht es los. Wir werden in den Innenraum geführt. Der Blick geht in das Rund, auf volle Ränge mit vielen Freunden und der Familie. Ein unglaublich schönes Gefühl. Hinter dem Podest angekommen, heißt es ein letztes Mal warten. Auf den Tusch, auf die Ansage „ Bronze für Fabian Dammermann von der LG Osnabrück!“  Riesenapplaus, dann Medaille und Urkunde. Genau für diesen Moment arbeitet man als Sportler jeden Tag, Woche für Woche, Monat um Monat, Jahr für Jahr. im Training. Genau solche Momente sind es, die man in seinem Leben nicht vergessen wird. Die auf eine Art und Weise süchtig machen wie es wohl nur Sportler verstehen können.



Ach ja: Folgt noch die Dopingkontrolle. Zweieinhalb Stunden warten – erst dann (wie schreibt es unsere Lokalzeitung) läuft es auch hier. Versteht jemand, warum der Dopingkontrolleur nicht mein Freund ist?

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